Donnerstag, 30. April 2026
(4) noch ein Abenteuertag.
Wenn man in Appartements übernachtet, muss man sich selbst um ein Frühstück kümmern. Auf dem gestrigen Spaziergang entdeckten wir in der Nähe des Appartements eine Bäckerei und gleich daneben ein Restaurant/Kaffee. Um 07:00 Uhr betraten wir das Kaffee und fragten nach, ob hier auch ein Frühstück serviert wird. Die Antwort darauf war: «Nein, doch kaufen sie etwas in der Bäckerei nebenan und geniessen sie es hier zusammen mit ihrem Kaffee.» Das fanden wir bemerkenswert, weil wir diese Lockerheit so in der Schweiz nicht kennen. Und während unseres Aufenthalts im Kaffee kamen immer mehr Menschen mit Croissants, Baguette oder Pain au Chocolat und bestellten sich Kaffee dazu. Viele kannten sich und das erzeugte eine gesprächige und warmherzige Stimmung, zumal auch mehrere Hunde im Restaurant umhersprangen und nach Futter bettelten. Einmalig.
Heute trennten sich unsere Wege gleich nach dem Start. Für Jürg und mich sah der Tagesplan vor, dass wir auf den ersten 15 Kilometern gleich 900 Höhenmeter erklimmen mussten. Auf grobem Schotter war das ziemlich kräftezehrend. Ich kurbelte lange Zeit im zweitkleinsten und im allerkleinsten Gang berghoch. Auf etwa 1500 Metern über Meer erreichten wir den höchsten Punkt und gleich hinter der Kuppel kamen wir zu einem grösseren Ausflugsziel mit Restaurant, dem: Le Mas de la Barque. Es war windig und ziemlich frisch und so entschieden wir uns im warmen Restaurant einen frisch aufgebrühten Milchkaffee zu trinken.
Von hier führte uns der GPS-Track wieder auf vielen schönen Wanderwegen über wellige Hochebenen bis in die Nähe der Quelle des Flusses Tarn. Von hier weg wurde es dann richtig abenteuerlich. Wie vor zwei Tagen begann es wieder zu regnen, und wir kamen auch diesmal nicht um Regenkleider herum. Wir liessen uns dadurch den Spass nicht verderben, denn die Strecke und die Gegend waren wirklich hochinteressant.
Der Weg wurde immer schmaler und führte an einer steilen Hangflanke entlang, so dass wir immer mal wieder absteigen und ein Stück schieben mussten. An einer Stelle sollten wir zwischen zwei Felsen durch, die jedoch für unsere Bikes viel zu schmal waren. Also bedeutete dies, dass wir die Fahrräder durch den steilen Wald oberhalb der Felsen wuchten mussten. Das war sehr anstrengend, wird uns jedoch noch lange in Erinnerung bleiben. Etwas weiter auf dem Weg fuhr ich dann zu hart mit dem Vorderrad gegen eine Steinkante, so dass ich mir glkeich zwei Löcher in den Schlauch stanzte und wir so, irgendwo im Wald und bei Regen noch einen Reparaturhalt einlegen mussten. Zum Glück ist ein Schlauchwechsel keine allzu grosse Sache und so konnten wir schon bald wieder weiterfahren.
Im strömenden Regen trafen wir in Pont du Montvert auf Remy und auf ein, mit Motorradfahrern voll besetztes Restaurant. Es war eng, laut und alle dampften Wasser aus. Der heisse Kaffe schmeckte köstlich und wieder dachte ich: «So etwas erlebt man echt nicht jeden Tag.»
Es trennte uns ein weiterer Hügel von unserem Tagesziel in Florac Trois Rivière. Zu Beginn konnten wir auf einer kleinen Asphaltstrasse hochfahren, die später dann in einen schotterigen Wirtschaftsweg überging. Wir durchfuhren ein grösseres Waldgebiet, welches sich erst kurz vor dem höchsten Punkt lichtete. Von da genoss man (auch bei Regen) einen wunderbaren Rundumblick. Wir waren erleichtert, dass es nun nur noch bergrunter ging, doch auch das war nicht zu unterschätzen. Alles war nass und dreckig, die Forststrassen morastig und die Steine auf den Wanderwegen rutschig. Es brauchte also die volle Konzentration, machte jedoch auch wirklich viel Freude.
Der Wald spuckte uns direkt vor der Ortseinfahrt aus und so konnten wir die letzten Kilometer auf Asphalt zum Hotel rollen. Mittlerweile regnete es nicht mehr, doch wir waren kräftig eingesaut. Ich wollte so weder das Bike in eine Garage stellen, noch die Taschen in ein sauberes Hotelzimmer tragen. Deshalb stoppte ich bei einen Brunnen kurz vor dem Hotel und machte grosse Wäsche. Es dauerte etwas, doch mit dem Resultat war ich dann zufrieden und konnte diesen Abenteuertag so gut für mich beschliessen. Auch das war wieder ein ganz aussergewöhnlicher Radtag. Heute war die Durchschnittsgeschwindigkeit noch niedriger, nämlich nur noch 11,2 km/h. Das GPS sagt: 58 km, 5:15 Std., 1'180 Hm.
Hier der Link zur heutigen GPS-Aufzeichnung und hier die Bilder des Tages, in der Fotogalerie ab Bild 137.
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