BLOG

beats blog

Sonntag, 23. Februar 2020

(9) nach Niscemi

Abendsonne geniessen
Abendsonne geniessen

Die liebe Hotelfrau hat ĂŒber Nacht unsere WĂ€sche gewaschen und so konnten wir nach einem ausgezeichneten FrĂŒhstĂŒck in frischen Kleidern diesen Sonntag beginnen lassen. Sie hatte so viel Freude an uns, das sie auch noch Fotos machen wollte, bevor wir losfuhren. So herzig... 👍

Wir waren nicht unglĂŒcklich, dass die ersten 20 Kilometer fast ausschliesslich auf asphaltierten Strassen gefahren werden konnten. Tja, wir sind halt alle nicht mehr 20 und 8 Biketage hintereinander, mit immer ĂŒber 50 Kilometern und um die 1'000 Höhenmetern gehen nicht mehr spurlos an uns vorĂŒber. C'Ă©st la vie...

Einfach damit ich es nicht zu erwĂ€hnen vergesse: Es war wettermĂ€ssig wieder ein perfekter Biketag. Schon am Morgen Sonne satt und ausser ein paar leichte Schleierwolken war es schlicht perfekt. Unglaublich wie viel GlĂŒck wir in dieser Hinsicht haben.

Heute standen eigentlich zwei Steigungen auf dem Programm, die dann auch wieder ĂŒber 1'000 Höhenmeter auf den Tacho bringen. Zuerst ging es hoch nach Butera und die zweite Steigung war dann zu unserem Tagesziel in Niscemi. Die Anfahrt nach Butera fĂŒhrte und durch grosse GemĂŒseanbaugebiete. Wir sahen viel Peperoni/Paprika und Tomaten ohne Ende. Vor Niscemi dann riesige Felder mit Artischocken (Niscemi nennt sich die Sizilianische Hauptstadt der Artischocken).

Der Aufstieg nach Butera war dann landschaftlich sehr schön und fĂŒhrte teils durch bewaldete Gebiete. Da gab es dann auch noch einen schönen Singletrailabschnitt und so kurbelten wir alle gut gelaunt hoch ins Ortszentrum. Dort trafen wir auf Karnevalsfeiern. Wie wir spĂ€ter auch in Niscemi feststellten, war der heutige Sonntag in Sizilien anscheinden DER Karneval-Sonntag. Alle Kinder waren verkleidet, es wurde auf dem Zentrumsplatz laute Musik gespielt, die Frauen beobachteten und fotografierten ihre Kinder, wĂ€hrend die MĂ€nner danebenstanden und rauchten.

Weil die Anfahrt relativ leicht war, waren wir sehr gut im Zeitplan und konnten deshalb eine lĂ€ngere Pause mit Capucchino und SĂŒssigkeiten einlegen und dabei genĂŒsslich in der Sonne sitzen und uns unseres Lebens erfreuen. Herrlich! Und das beste ist: Wenn man in einem HĂŒgeldorf ist, dann fĂŒhrt die Strecke danach zuerst einmal bergab. Perfekt!

Wir durchquerten vorwiegend auf Schotterstrassen wieder grosse Obst- und GemĂŒse-AnbauflĂ€chen und hatten Zeit, die Landschaft und die Szenerie auf uns wirken zu lassen. Kurz vor dem Anstieg nach Niscemi machten wir nochmals eine Orangen-/Birne-Pause um fĂŒr die Schlussanstrengung gerĂŒstet zu sein. Ich guckte auf das GPS: noch 6,6 Kilometer bis zum Ziel. Super - ein Katzensprung. Nur, man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben und so mussten wir kurze Zeit spĂ€ter feststellen, dass wir vor einer undurchdringlichen Schilflandschaft stehen und keine Möglichkeit sehen, wie wir auf die andere Seite kommen könnten. Es hilft alles nichts. Wir mĂŒssen zuerst etwas zurĂŒckfahren und dann einen Weg zu der nĂ€chsten Strasse suchen. Tja, wieder einmal ein Planungsfehler (von mir).

Das war aber nicht schlimm. Vielleicht 2 oder 3 Zusatzkilometer, dann kamen wir auf eine der Strassen, die nach Niscemi hochfĂŒhrt. Wir kurbeln langsam hoch und ich wundere mich schon etwas, dass nicht ein einziges Auto zu sehen ist. Weder werden wir ĂŒberholt, noch kommt uns irgendwer entgegen. Die Antwort folgte bald. Etwa einen Kilometer vor Niscemi ist die Strasse abgesperrt und grosse Hinweistafeln weisen auf einen Strassenneubau hin. Die alte/bestehende Strasse ist abgerutscht und nun wird eine neue gebaut. Wir ignorierten das Fahrverbot, hoben unsere RĂ€der ĂŒber die Abschrankungen und suchten und fanden auch einen Weg auf die andere, sichere Seite. 

In Niscemi angekommen war es erst kurz nach 15 Uhr und wir alle hatten Hunger und deshalb suchten wir uns ein geeignetes Lokal, wo sich vier Biker an einem Sonntagnachmittag die BĂ€uche vollschlagen können. Das war nicht sehr einfach, doch wir wurden fĂŒndig und genossen eine schöne Platte mit lokalen KĂ€se- und Fleischprodukten. Dazu zuerst eine Cola und dann noch einen Kaffee.

Hier in Niscemi ĂŒbernachten wir in einem Appartement und nach dem Bezug machten wir uns noch mit den Bikes auf die Suche nach einem Restaurant fĂŒr das Abendessen. Das entpuppte sich dann als Ă€usserst schwierig und so entschieden wir uns, wie im Ferienhaus vor drei Tagen, selber zu kochen. Wir fragten uns durch und fanden einen LIDL, welcher tatsĂ€chlich an Sonntagen geöffnet hatte. GrosszĂŒgig einkaufen, ins Appartement fahren, duschen, kochen, essen, quatschen und schon bald gehen alle mĂŒde und zufrieden ins Bett. Nur der Beat sitzt noch vor dem PC, lĂ€dt Bilder ins Fotoalbum und schreibt BlogeintrĂ€ge.... 😉

Hier der Link zur GPS-Aufzeichnung des Tages (64 km., 4:31 Std., 1'140 Hm.) und hier der Link zu den Fotos des Tages.

(8) nach Licata

Anfahrt zu "Punta Bianca"
Anfahrt zu "Punta Bianca"

Der Tag begann sehr gut. Wieder blauer Himmel, ein ausreichendes FrĂŒhstĂŒck und ein tolle Route, vorwiegend entlang der KĂŒste mit ein paar schönen Aussichtspunkten.

Zum Start ging es aber erstmal etwa 100 Höhenmeter hoch, bis an den höchsten Punkt von Agrigento. Meine Beinchen waren noch nicht wirklich frisch oder eben von mehreren Biketagen schon ziemlich ausgelaugt. Auf alle FĂ€lle war ich doch froh, als die Schotterstrasse bergrunter zeigte und ich wusste, dass die nĂ€chsten 10 Kilometer von knapp 300 Metern ĂŒber Meer bis runter an die KĂŒste fĂŒhrt. Die Bergabpassage fĂŒhrte durch bewaldetes Gebiet und es waren verschiedene Biketrails zu erkennen. Das Problem dabei war halt, dass man als Fremder immer nur den Einstieg sieht und keine Ahnung hat, wo man zum Schluss rauskommt und landen wird. Deshalb folgten wir der violetten Linie in unserem GPS und blieben auf der Forststrasse, die uns auch viel Spass gemacht hat.

In der ersten Ortschaft durch die wir kamen machten wir dann drei Stopps. Zuerst bei einem đŸšČRadgeschĂ€ft, weil wir keine Schlauchflicken🔧 mehr hatten, dann bei einem ObsthĂ€ndler đŸŠ um Proviant fĂŒr unterwegs zu kaufen und an der KĂŒstenstrasse suchten wir uns dann eine Bar/Pasticceria um bei Kilometer 11 unsere erste Capucchino-Pause ☕ einzulegen.

Der weitere Verlauf der Strecke entpuppte sich dann viel anstrengender als erwartet. Da gab es kaum ein flaches Dahinrollen. Es ging stetig berghoch und wieder runter und die Anstiege waren meist heftig und fies steil. Ab und zu so steil, dass wir auch mal absteigen und krĂ€ftig schieben mussten. Das kostete ganz schön Energie. DafĂŒr entschĂ€digte der Blick entlang der KĂŒste immer wieder. Nach etwas ĂŒber 24 Kilometern erreichten wir dann den Punto Bianca. Eine weisse Kalksteinformation, Ă€hnlich wie tags zuvor Torre di Salsa und Scala die Turchi.

Hier war wieder der Vorteil, dass keine asphaltierte Strasse an diesen Punkt fĂŒhrt und man somit völlig alleine ist. Wir machten erst eine Verpflegungspause und dann investierten wir bestimmt noch ĂŒber eine halbe Stunde fĂŒr schöne Fotos. Man muss solche Momente nutzen, denn man wird vermutlich nie mehr hier hin kommen.

Weil wir ja da direkt am Meer waren, ging es nun wieder berghoch. Eine steile Schotterpiste. Es wurde noch steiler. Dann wurde es zu steil um zu fahren - also wieder schieben. Bikes mit GepĂ€ck sind schwer zu schieben... đŸ˜« Nach einer anstrengenden Woche sind sie noch schwerer... dann wieder etwas runter und wieder etwas hoch... als wir bei Kilometer 33 endlich wieder einmal in ein Dorf kamen wo es eine Bar/pasticceria gab, mussten wir schon das erste Mal zu Cola greifen um uns wieder aufzuzuckern. Einige Blicke waren schon ziemlich leer...

Mein GPS sagt: StreckenhĂ€lfte. Es warten also nochmals ĂŒber 30 Kilometer in Ă€hnlichem Stil vor uns. Wollen wir das? Packen wir das noch? Peter zog seine Landkarte aus dem Rucksack und wir suchten nach Alternativrouten nach Licata. Bald schon fanden wir eine schöne Aspahltnebenstrasse, die um die nĂ€chsten HĂŒgel herumfĂŒhrt und uns relativ gemĂŒtlich ins Ziel bringt. Rasch waren wir uns einig. Wir machen hier Ferien und kein Trainingslager. Es soll Spass machen und da braucht es auch die nötige FlexibilitĂ€t um von der Planung abzuweichen. Wir wĂ€hlen also die Strassenvariante und fuhren ziemlich gemĂŒtlich nach Licata.

Unser heutiges Hotel, Stella del Mare, liegt zwar etwas abseits, doch es ist praktisch neu (Eröffnung 2019) und nur etwa 50 Meter weiter gibt es auch eine schöne Osteria, wo wir einen Tisch fĂŒr das Abendessen reservierten. Wir geniessen also den Hotelkomfort und sind froh, durch die gewĂ€hlte Vereinfachung nicht ganz platt zu sein.

Hier der Link zur GPS-Aufzeichnung (63 km., 4:21 Std., 957 Hm.) und hier der Link zum Fotoalbum des Tages.

Freitag, 21. Februar 2020

(7) nach Agrigento

eine Kalenderfoto!
ein Kalenderfoto!

Die Morgensonne lachte schon schon beim Aufstehen von einem strahlend blauen Himmel. Man musste ganz einfach mal kurz auf die Terrasse des Ferienhauses stehen, auf's Meer hinausblicken und die frische Stimmung geniessen. 🙏

Nach der gestrigen lĂ€ngsten Etappe stand heute die bisher KĂŒrzeste, mit etwa 50 Kilometern auf dem Programm. Aber wir wussten, dass viele tolle Momente auf uns warten und so freuten wir uns auf einen weiteren, herrlichen Biketag. Wir liessen es ruhig angehen, nahmen uns Zeit bis wir fertig zusammengepackt hatten um dann in Richtung Meer starteten.

Wir fuhren direkt an den Strand und bewunderten von da die Felsformationen von Ereclea Minoa. Von da fuhren wir mehrere Kilometer direkt am Sandstrand ins Naturschutzgebiet Torre di Salsa. Das war super! Ich war noch nie mit dem Bike direkt am Sandstrand biken! (und endlich hatte ich mit meinen Bike, mit den dicken Reifen einen Vorteil 😊). Wir trafen dann auf wunderschöne, weisse Kalksteinformationen und es war natĂŒrlich klar, dass wir hier ein paar Fotos machen mĂŒssen (siehe oben). An so eine Traumlocation kommt man schliesslich nicht alle Tage. Dann noch etwas Strandbiken, bevor unsere Route wieder ins Hinterland abbog.

Zuerst befuhren wir eine holprige Schotterstrasse doch schon bald folgten wieder Schlamm- und Wasserlöcher, die nur schwer zu meistern waren. Remy passierte dann das Missgeschick, in der wohl grössten WasserpfĂŒtze hinzufallen und dabei völlig nass zu werden. Wir mussten also einen kurzen Halt einlegen, damit er wieder trockene Kleider anziehen konnte. NatĂŒrlich braucht es von so einem Ereignis ein Foto! Weil wir Remy nicht online kompromitieren wollten, gaben wir ihm einen Plastiksack um seine Scham zu bedecken. Der Plastiksack war von "Herren Globus" und wir mussten alle ganz herzhaft lachen, als er so im "Herren Globus - AdamskostĂŒm" vor uns stand. Das war Situationskomik vom Feinsten! 😁 đŸ€Ł

Unsere Strecke fĂŒhrte uns immer in MeernĂ€he in Richtung SĂŒd-Osten. Mal direkt am Strand, dann wieder mehr im Landesinnern und somit war es unglaublich abwechslungsreich. In Siculiana Marina machten wir dann eine erste Capucchino-Pause direkt an der KĂŒste und als wir das Hotel, resp. die Bar betraten, brachte eine Ă€ltere Frau gerade zwei grosse Fruchttorten aus der KĂŒche. Das war natĂŒrlich genau das Richtige fĂŒr uns und so setzten wir uns zufrieden, mit Kaffe und Kuchen bewaffnet an einen Tisch an der Sonne und blinzelten aufs Meer hinaus. Es war klar: Sonnencreme darf heute nicht fehlen. Wieder ein Traumtag mit Sonnenschein satt.

Wir freuten uns dann alle auf die Scala dei Turchi. Eine ebenfalls weisse Kalksteinformation, die spektakĂŒlar vom Meer aufsteigt. Schon bald fielen uns dann die Parkplatz-Schilder auf und dann folgten parkierte Autos entlang der Strasse. Das ist ein richtiger Touri-Hotspot. Wir sind dann auch runter ans Meer gefahren, doch eigentlich war ich ein wenig enttĂ€uscht. Das hatte ich mir besser vorgestellt. Erstens fand ich die Steinformationen bei Torre di Salsa schöner und Zweitens konnte man bei der Scala dei Turchi kaum Fotos machen, ohne dass noch andere Touristen auf dem Foto waren. Wir liessen es deswegen bleiben und besuchten eine Bar, wo wir die ersten Gelatis auf Sizilien genossen. Die schmeckten richtig lecker, hatten aber auch durchaus Touristenpreise...

Die EnttĂ€uschung der Scala dei Turchi war nur von kurzer Dauer, denn mit dem Valle dei Templi kurz vor Agrigento stand ein weiteres Tour-Highlight auf dem Programm. Nach eines duraus ernstgemeinten, aber erfolglosen, Versuchs eine Eintrittskasse zu finden, mogelten wir uns halt ohne Bezahlung in das Freilichtmuseum. Mittlerweile war es etwa halb vier Uhr am Nachmittag und die Sonne zauberte ein sehr schönes und warmes Licht auf die uralten, griechischen Bauten. NatĂŒrlich gibt es davon auch viele Bilder im Album zu sehen.

Danach folgte die letzte Steigung hoch ins Ortszentrum von Agrigento, wo wir nur kurz unser Bed and Breakfast suchten und uns dann aber gleich wieder in den Sattel schwangen um noch etwas Bike-Sightseeing zu machen. Nach den vielen relativ armen Orten im Hinterland fĂ€llt sofort auf, dass Agrigento eine grosse Stadt mit Geld und grosser Strahkraft ist. Hier trifft man dann wieder auf alle die GeschĂ€fte der Global Brands und einiges an Schicki-Micki-Zeugs. Trotz allem hat die Altstadt viel Charme und versprĂŒht diese sĂŒdlĂ€ndische Lebesfreude, die wir Menschen nördlich der Alpen so oft bewundern.

Bevor wir zurĂŒck zum B&B fuhren gönnten wir uns noch einen Besuch in einer sehr schönen Pasticceria und kauften SĂŒssigkeiten und Cappucchino. So kann man einen traumhaften Biketag gut ausklingen lassen đŸ€—. Das B&B Fana, mitten in der Altstadt entpuppte sich als eine gute Wahl. Schön renoviert, modern eingerichtete Zimmer, und eine grosse, warme Dusche 🚿. Herrlich! Nach einer kurzen Pause trafen wir uns wieder um gemeinsam ein Restaurant aufzusuchen. Wir checkten ein paar Speisekarten ab bevor wir uns entschieden und haben dann köstlich und ausgiebig getaftelt đŸœđŸ». Genau so muss es sein! Wieder geht ein Traumtag zu Ende. Danke! :bow:

Hier noch der Link zu der GPS-Aufzeichnung des Tages und hier der Link zum heutigen Fotoalbum.

Donnerstag, 20. Februar 2020

(6) nach Montallegro

biken in traumhafter Umgebung
biken in traumhafter Umgebung

Nach dem Aufstehen war es nur etwa 7° Grad, es windete krĂ€ftig und die Wolken zogen schnell am Himmel. Ein kurzer Check auf wetter.com versprach aber auch heute einen schönen Biketag. Wir waren alle etwas ruhig beim FrĂŒhstĂŒck weil wir wussten, dass mit 70 Kilometern heute die lĂ€ngste Tagesetappe auf dem Programm steht.

Es entwickelte sich dann ein wunderbarer Biketag in einer fantastischen Umgebung. Es ist ein echtes Privileg, so etwas mit lieben Freunden erleben zu dĂŒrfen. :bow:

Es wurde wirklich alles geboten. Von breiten Asphaltstrassen ĂŒber kleine Nebenstrassen, Wirtschaftswege, Schotterpisten und Singletrails. Meist in abgelegenen Gegenden, ohne Verkehr, oft in völliger Stille... vielleicht mögen die Fotos etwas davon einzufangen.

Ebenfalls als sensationell entpuppte sich das Ferienhaus, welches wir fĂŒr diese Nacht gebucht haben. In der NĂ€he von Eralea Minoa, ein sehr modernes, alleinstehendes Haus mit Blick auf das Meer. Wir haben natĂŒrlich in der letzten Ortschaft vor dem Ferienhaus noch krĂ€ftig eingekauft. Gemeinsam bereiteten wir uns ein leckeres Abendessen zu und danach genossen die friedliche (und mĂŒde) Stimmung. Wir spielten uns gegenseitig Youtube-Videos vor und hatten viel Spass dabei.

Irgendwie kann ich heute gar nicht viel mehr schreiben. Die EindrĂŒcke sind noch so freisch und bunt, so reichhaltig... DANKE fĂŒr diesen Traumtag! :bow:

Hier noch der Link zur GPS-Aufzeichnung des Tages und der Link zum Fotoalbum.

Mittwoch, 19. Februar 2020

(5) nach Mussomeli

unterwegs in toller Landschaft
unterwegs in toller Landschaft

Wie jeden Tag trafen wir uns um 08:00 Uhr zum gemeinsamen FrĂŒhstĂŒck. Draussen war es ziemlich frisch und erstmals zeigten sich ein paar Schleierwolken am Himmel. Wir konsultierten deshalb den lokalen Wetterbericht und der sagte höchstens Wind und kein Regen vorher. Also kein Problem. Das FrĂŒhstĂŒck war reichhaltig und ausgezeichnet. Nach dem FrĂŒhstĂŒck konnten wir die frisch gewaschenen Kleider abholen und uns fĂŒr den heutigen Tag fertig machen.

Wir sind ruhiger losgefahren, als an der bisherigen Tagen. Jeder merkte die Belastungen und somit war klar, dass wir keine grosse Lust auf Schlammpackungen, Erdrutsche, Flussdurquerungen oder Ă€hnliche Abenteuer-Einlagen haben. Doch wie es dann so ist... kaum 10 Minuten nach der Losfahrt kamen wir an die ersten tiefen Schlammlöcher. Die Reifen setzten sich sofort zu, Dreck spritzte herum, die Schuhe bekamen immer grössere Lehm-Sohlen... Wer plant denn sowas? 😉. Als Positivdenker sagt man dann: "Zum GlĂŒck ist es hier schon ein paar Tage trocken! WĂ€re es nur ganz wenig feuchter, wĂ€ren viele Teile unsere bisherigen Strecke nĂ€mlich schlicht unfahrbar."

Schon nach knapp sieben Kilometern erreichen wir die Ortschaft "Santa Catarina Villarmosa". Wir wissen, dass wir bis zu unserem Zielort nicht mehr durch eine Ortschaft kommen werden und das die einzige und letzte Möglichkeit fĂŒr einen Capucchino-Halt ist. Proviant haben wir gestern schon gekauft, darum mussten wir uns heute nicht mehr kĂŒmmern.

Wir durchfuhren danach eine grossartige, fast menschenleere Landschaft. Alles auf kleinsten Nebenstrassen, die meist aus grobem Schotter bestanden und wir deshalb so gut wie nie einem andern Verkehrsteilnehmer begegnet sind. So macht biken richtig Spass! Wir durchfuhren auch eines der wenigen Waldgebiete von Sizilien und sahen immer wieder weidenende KĂŒhe oder Schafe. Und natĂŒrlich auch Hunde. Bei jedem bauernhof gibt es diese klĂ€ffenden Wachhunde, die einem nachrennen und man schon fast spĂŒhrt, wie sie einem in die Waden beissen. Das beste Mittel dagegen ist, die Hunde zu ignorieren, sie nicht anzusehen und ihnen keinerlei Beachtung zu schenken. Einfach gleichmĂ€ssig weiterfahren. Die verlieren rasch das Interesse. Wenn man aber schon von weitem sieht, wie gross die Hunde sind und wie sie die ZĂ€hne fletschen, so ist das min dem Ignorieren ran nicht so einfach...

Das der Wind zunimmt konnten wir gut feststellen. Trotz Sonne wurde es zeitweise empfindlich kphl und wir sahen auch viel WindrĂ€der, die heute ganz krĂ€ftig Energie erzeugten. Wir suchten uns deshalb einen windgeschĂŒtzten Ort an der Sonne, um unsere Paninis, die Orangen, Bananen, Birnen und Äpfel zu essen, die wir ĂŒberall verstaut hatten. Dann noch etwas in der Sonne liegen und Kraft fĂŒr den Schlussaufstieg zu tanken.

Fast jeder Tag endet auf einem HĂŒgel, weil hier (wie in weiten Teilen Italiens) die Ortschaften meist zuoberst auf einem HĂŒgel gebaut wurden. Heute standen deshalb auf den letzten 15 Kilometern noch etwa 600 Höhenmeter auf dem Programm. Mit ein paar Fotostopps heisst das also etwa eineinhalb Stunden Bergfahrt. Zum GlĂŒck fĂŒhrte uns die Route auf einer Asphalt-Nebenstrasse berghoch. Mit einer moderaten Steigung und praktisch Null Verkehr. So geht das eigentlich ganz gut. Man kurbelt einfach so vor sich hin und geniesset die immer besser werdende Aussicht. Einem Highlight des Tages kamen wir auch immer nĂ€her. Das mĂ€chtige Castello Manfredonico wurde vor ĂŒber 700 Jahren auf einen riesigen Felsen gebaut und ist noch toll erhalten. Ein wirklich eindrĂŒcklicher Anblick (siehe Fotoalbum).

Weil wir heute von Pannen verschont blieben, trafen wir kurz nach 16 Uhr in Mussomeli ein und dadurch hatten wir noch Zeit fĂŒr eine letzten Capucchino an einem sonnigen PlĂ€tzchen. Danach machten wir uns auf die Suche nach unserem heutigen "B&B Musmelia Rooms". FĂŒr unsere VerhĂ€ltnisse eine eher teure Unterkunft. Das Haus wurde jedoch vor einem Jahr total renoviert und alles ist neu und von hoher QualitĂ€t. Das ist sein Geld also durchaus wert. SpĂ€ter gingen wir dann in ein schickes Restaurant und haben so richtig zugeschlagen. Ich will es jetzt nicht aufzĂ€hlen, was wir alles verputzt haben, doch es war spitzenmĂ€ssig gut und so machten wir uns dann zufrieden auf den RĂŒckweg zu unserem B&B.

Hier der Link zu der GPS-Aufzeichnung des heutigen Tages (55 km., 4:11 Std., 1'374 Hm.). Die Fotos von heute sind im Fotoalbum abgelegt oder direkt ĂŒber diesen Link zu sehen.

(4) nach Villarmosa

Fluss-Durchquerung
Fluss-Durchquerung

Heute war irgendwie nicht mein Tag. Ich kĂ€mpfte mit technischen Problemen (und mit meiner Verdauung). Als wir am Morgen die Bikes aus der Garage hilten, war mein Hinterrad platt. Blöd - sollte mit Dichtmilch eigentlich nicht vorkommen. Ich hatte zwar schon in den letzten Tagen schleichend Luft verloren, dass nun aber ĂŒber Nacht alle Luft entwichen ist, das hat mich schon ĂŒberrascht. Aber man bleibt ja positiv: "Die Dichtmilch wird das schon schaffen!" also einfach aufpumpen und losfahren.

Nach wenigen Kilometern stellte ich dann fest, dass mit dem Freilauf irgendwas nicht stimmt. Wenn ich das Bike schiebe, drehen die Pedale mit, das sollte so nicht sein. Bei unserem ersten Verpflegungshalt bauten wir deshalb das Hinterrad aus und den Freilaufkörper ab um uns die Sache anzusehen. Es scheint eine Dichtung gequetscht zu haben und die sorgt jetzt fĂŒr so viel Reibung, dass eben die Pedale lange mitbewegt werden, bevor der Freilauf frei zu laufen beginnt. Peter und JĂŒrg hatten dann die Idee, diese Dichtung so Mc Guyver mĂ€ssig mit dem Schweizer Taschenmesser zurechtzuschnitzen, dass es besser passt. Ich hĂ€tte die Dichtung einfach rausgeworfen. Eine Quasi-Reparatur war aber sicher die bessere Idee.

SpÀter, im langen Aufstieg nach Enne musste ich hinten schon wieder nachpumpen... zudem schaltete sich mein Bike nicht wirklich gut. Mir begann -nebst der Anstrengung des Anstiegs- dieser Technikquatsch auf die Nerven zu gehen. Ich will einfach nur radfahren! Das Zeug hat zu funktionieren! :motz:

Auf 975 Metern ĂŒber Meer waren wir dann nicht nur am höchsten Punkt von Enna, sondern auch am höchsten Punkt unserer ganzen Sizilien-Reise und die 360° Grad Rundumsicht war wirklich beeindruckend und jeden Schweisstropfen wert. Wir machten ein paar schöne Fotos und als wir uns auf die Suche nach einer Bar/Pasticceria/Pizzeria fĂŒr die Mittagspause aufmachen wollten, hatte ich hinten schon wieder fast keine Luft mehr im Reifen. Es war also klar, dass ich nun etwas unternehmen muss - sprich einen Schlauch in den Reifen montieren. Zum GlĂŒck hat mir Peter geholfen...

Auf der Weiterfahrt fuhren wir eine alte, verlassene Strasse entlang eines HĂŒgelzugs, die plötzlich im Nichts endete. Ein etwa 300 Meter breiter Erdrutsch hat vor einigen Jahren diese Strasse ganz einfach mitgerissen. Da lag nun sehr viel grobes Geröll und zwischen den teils riesigen Steinen wucherte viel dorniges GestrĂŒpp. Aber uns war sofort klar, dass Umkehren keine Oprion ist. Also heist es das Bike mit allen Taschen tragen, sich ĂŒber die Steine zu balancieren ohne hinzufallen und den gröbsten DornenstrĂ€uchern auszuweichen. Es war eine echte Qual und wir brauchten bestimmt fast eine halbe Stunde fĂŒr diese paar hundert Meter. Auf der Gegenseite angekommen zeigten wir uns gegenseitig unsere Kratzer... Jeder blutete irgendwo an Unterschenkeln oder Armen...

Dann folgte eine ruppige Abfahrt ĂŒber eine völlig zerstörte und durch viel Regen ausgewaschene Schotterstrasse und kurz vor der Talsohle hörte ich es am Hinterrad zischen. Das gibt's doch nicht! Nun auch noch ein Loch im neu eingezogenen Schlauch. Ich hĂ€tte heulen können. Also Rad ausbauen, Schlauch rausfriemeln, Loch suchen, flicken und alles wieder zusammenbauen. Wieder vergeht unnötig viel Zeit.

Auf unserem Tagesplan stand jedoch noch eine Flussdurchquerung (siehe Tagesbild) und ein anschliessender Schlussaufstieg von etwa 400 Höhenmeter. Wir mussten uns also ranhalten, damit wir vor Einbruch der Dunkelheit das gebuchte Agriturismo erreichen. Der Bach/Fluss war dann so breit dass klar war, hier kommt man nicht ohne nasse FĂŒsse rĂŒber. Als anhalten, Schuhe und Socken ausziehen, durchs klate Wasser waten (ohne hinzufallen) und auf der Gegenseite wieder Socken und Schuhe anziehen. Alles braucht Zeit...

Es wurde dann kurz vor sechs Uhr, als wir bei einsetzender DĂ€mmerung vor die Villa Assunta, unsere heutige Unterkunft vorfuhren. Die Chefin begrĂŒsste uns ĂŒberschwĂ€nglich und sehr herzlich. Sie zeigte uns unsere Zimmer und fragte gleich nach, ob sie noch unsere Bikekleider waschen soll. Ein toller Service! Danach endlich ab unter die warme/heisse Dusche. Was fĂŒr ein Tag!

Etwas sehr schönes in solchen Agriturismo ist jeweils das Abendessen. Man muss nicht lange diskutieren was es gibt und was man gerne möchte. Es wird einem einfach reichlich Essen vorgesetzt und Italien sei Dank, es schmeckt eigentlich immer vorzĂŒglich. Heute gab es zur Vorspeise KĂ€se, Salami, Sardinen, Tomaten, StĂŒcke von Spinat- und Kartoffel-WĂ€he. Dann als Primi Piatti Teigwaren (Orechietti) mit Hackfleisch-Sugo und als Hauptgang gegrilltes GeflĂŒgel. Zum Dessert dann noch Mandarinen und lokal gemachten Torrone. Dazu Bier und Wein. Herrlich!

Ich war nicht unzufrieden, dass es kein Internetzugang gab. So konnte ich -wie die Anderen auch- nach dem Nachtessen nur noch kurz die ZĂ€hne putzen und dann ab ins Bett. MĂŒde waren wir alle!

Hier der Link zu der GPS-Aufzeichnung des heutigen Tages (51 km., 4:12 Std., 1'371 Hm.). Die Fotos von heute sind im Fotoalbum abgelegt oder direkt ĂŒber diesen Link zu sehen.

Montag, 17. Februar 2020

(3) nach Leonforte

mĂŒde in Agira
mĂŒde in Agira

Es begrĂŒsste uns ein stahlblauer Himmel und so nutzte ich die Zeit vor dem FrĂŒhstĂŒck fĂŒr ein paar Fotos rund um das Agriturismo Conte Ruggerio. Das war eine richtig gute Wahl. Ein wunderschön renoviertes Anwesen, grosse Zimmer und ein hervorragendes Essen. Und auch das FrĂŒhstĂŒck sollte uns nicht enttĂ€uschen. Frisch gepresster Orangensaft aus hiesigen Tarocco-Orangen, ein Dreiminutenei, hausgemachtes Brot mit Butter, KonfitĂŒre, KĂ€se und Aufschnitt und dazu noch sĂŒsse KuchenstĂŒcke. Perfektes Kraftfutter fĂŒr einen tollen Biketag!👍

Der Beginn unserer Strecke fĂŒhrte einige Kilometer auf einem frĂŒheren, rĂŒckgebauten Bahntrasse entlang. Wir genossen beste Aussicht in Organgen- Mandarinen- und Zitronenhaine und auch verschiedene Kaktusplantagen. Wobei wir alle nicht so genau wussten, wofĂŒr die Kakteen genutzt werden. Schön anzusehen war das aber allemal. Nach etwa 10 Kilometer sahen wir uns dann plötzlich mit unsererm heutigen Adventure-Part konfrontiert. Der Weg war auf ĂŒberblickbare Distanz völlig unter Wasser. Es war klar, dass hier fahren unmöglich sein wird. Umdrehen wollten wir aber nicht, denn die nĂ€chste brauchbare Strasse war doch ein paar Kilometer entfernt. Was tun?

Wir entschieden uns, Schuhe und Socken auszuziehen, uns um den Hals zu hĂ€ngen und dann barfuss, die Bikes durch den Morast zu schieben. Das war Kneipp- und Fango-Kur in einem 😁. NatĂŒrlich hĂ€tte man sich Ă€rgern können, doch in solchen Momenten hilft es sehr, das Ganze als Herausforderung zu betrachten, ein paar lustige Fotos zu schiessen und zu wissen, dass uns das sehr lange in Erinnerung bleiben wird😎. 

Kurze Zeit spĂ€ter ĂŒberquerten wir die Staumauer des Lago di Pozillo, dem grössten Stausee Siziliens, und fuhren danach auf der nördlichen Seite entlang des Sees. EindrĂŒcklich war der Eukalyptuswald (habe ich vorher in Europa noch nie gesehen) und die immer wieder tolle Aussicht ĂŒber den See und die dahinterliegenden HĂŒgel. Gegen Ende des Stausees sahen wir dann erstmals den mĂ€chtigen HĂŒgel, auf dessen Spitze die Ortschaft Agira liegt. Wir wussten: Da fĂŒhrt unsere Streckenplanung vorbei. Upps... das wird ganz schön steil... 😏. Lieber also noch eine kurze Pause einlegen und ein paar Snacks aus dem Rucksack essen. Diese Energie werden wir rasch wieder verbrennen.

Zum GlĂŒck war die Auffahrt fast vollstĂ€ndig auf einer asphaltierten Strasse und nur wenige Abschnitte waren heftig steil. Am Ortseingang warteten dann die Schnellen auf die nicht ganz so Schnellen, damit die Gruppe wieder zusammen war. Nun waren wir noch etwa hundert Höhenmeter unter dem höchsten Punkt, dem Castello di Agira. Wir konnten direkt hochsehen und schon der Beginn der Strasse zeigte an, dass man nun besser auf ganz kleine GĂ€nge schalten sollte. Das wird heftig steil, doch wenn man schon einmal soweit ist, dann will man sich die herrliche Aussicht von ganz oben natĂŒrlich nicht entgehen lassen.

Und: Es hat sich wirklich jeder Schweisstropfen gelohnt! Wir wurden mit einer herrlichen Rundumsicht belohnt und vor allem gegen Osten konnten wir weite Teile der bisher zurĂŒckgelegten Strecke sehen. Unten, der Lago di Pozzillo, rechterhand im Hintergrund das Bergdorf Centuripe und ganz im Hintergrund der mĂ€chtige Ätna. Das musste man ganz einfach tief in sich einsaugen. Diese Aussicht und diesen Moment werden wir in unserem Leben nie mehr sehen und erleben. Da kann man schon mal dankbar sein...

Nach einem rassigen Downhill runter vom Castello suchten wir dann eine Bar/Pasticceria/Pizzeria im Ortszentrum auf, wo wir auf ParkbĂ€nken in der Sonne sassen und uns ausgiebig verpflegten. Wir wussten, es wird im weiteren Verlauf der Tour nun zwar etwas bergrunter gehen, doch der höchste Punkt des Tages liegt noch vor uns. Wir genossen die herrlich warme Sonne und ich bedauerte schon einen kurzen Moment, am Morgen nicht Sonnecreme aufgetragen zu haben 🌞.

Die Weiterhaft war dann ziemlich knackig. Es ist ja nicht so, dass es nun einfach ein StĂŒck runter und danach hoch zum höchsten Punkt ging. Nein, es geht runter, dann wieder etwas hoch, dann wieder 30 Höhenmeter runter und wieder 50 Höhenmeter hoch und weil hier wohl nie Schnee liegt, können sie die Strassen auch richtig heftig steil bauen. Das war richtig hart und hat viel Substanz gekostet. Die GesprĂ€che wurden weniger und jeder konzentrierte sich nur noch auf sich selbst... und dann der Schocker: knapp 30 Höhenmeter unterhalb des höchsten Punkts fuhren wir vor ein hohes schmiedeisernes Tor, welches natĂŒrlich abgeschlossen war. Daran zwei deutliche Schilder "proprieta privata". Mist, da gab es kein Durchkommen 😓. Was tun? Wir konsultierten unsere GPS-GerĂ€te und suchten nach einer Alternative. Wir mussten den grössten Teil des Anstiegs wieder zurĂŒck fahren, bis wir auf eine grössere Strasse treffen, von wo wir dann nach Leonforte, unserem Etappenziel, fahren konnten. Na ja, es hilft nichts. Solche Situationen muss man einfach wegstecken können. Es hilft ja nichts und ganz ehrlich, das kann einfach passieren. So etwas kann man nicht bis ins letzte Detail vorplanen.

Somit war auch klar, dass die "Variante Assoro" ins Wasser fallen wird. Erstens war es zeitlich zu knapp und zweitens fĂŒhrte die neue Route gar nicht mehr an Assoro vorbei. Wobei... so ganz unglĂŒcklich waren wir deshalb nicht. Wir waren alle schon ziemlich mĂŒde und auf die 200 Höhenmeter hoch in dieses HĂŒgeldorf haben wir gerne verzichtet 😊. Und wir wussten auch, dass Leonforte in einer Talsenke liegt und wir somit nicht mehr mit grösseren Anstiegen rechnen mussten. Eingangs Leonforte erspĂ€hten wir eine nette Bar in der Abensonne und so legten wir noch eine Coca Cola Pause ein. Draussen standen Loungemöbel, in die wir fast versunken sind. Keiner wollte wirklich mehr aufstehen 😀.

Hier in Leonforte haben wir ein Appartement gemietet. Die FahrrĂ€der konnten wir sicher in einem Abstellraum einschliessen und die lustige Vermieterin textete uns auf italienisch zu, obwohl wir kaum ein Wort verstanden. Das war wirklich lustig. Es gibt hier drei Schlafzimmer und sehr gut, auch eine Waschmaschine. Wir sammelten also alle verschwitzten Radklamotten zusammen und nun ist die KĂŒche unser Trocknungsraum.

Nachdem alle geduscht hatten machten wir uns auf den Weg um ein Restaurant fĂŒr ein Abendessen zu suchen. Wenn man gut mĂŒde ist, sucht man nicht sehr lange und deshalb wĂ€hlten wir die erstbeste Pizzeria. Pizza hatten wir bisher ja noch nicht auf unserem Speiseplan. Das hat sich dann als eine gute Wahl erwiesen. Das Lokal an sich war zwar eher rustikal, die Pizzen waren aber gross, gut belegt und vor allem ausgezeichnet lecker đŸœ 👍.

Ja, auch das war wieder ein Klassetag! Hier noch der Link zur GPS-Aufzeichnung (52 km. 4:11 Std., 1'328 Hm). Die neusten Fotos habe ich ins Fotoalbum hochgeladen. Hier der Link zu den Bildern des Tages.

Sonntag, 16. Februar 2020

(2) nach Centuripe

in Motta San Anastasia
in Motta San Anastasia

Man kann den Tag in drei Worten zusammenfassen: Schön, lang und anstrengend. Doch fĂŒr diesen Blog dĂŒrfen es auch ein paar Worte mehr sein. ;-)

Der Tag begann um 8 Uhr mit einem schönen FrĂŒhstĂŒck in einer nahegelegenen Pasticceria. Vom B&B kriegten wir einen FrĂŒhstĂŒckscoupon und das war fĂŒr einen Capucchino und ein Croissont. NatĂŒrlich reichte das nicht. Und so bestellten wir noch frisch gepressten Orangenjus, zusĂ€tzliche Croissonts (gefĂŒllt mit Schoko- oder Vanilliecreme und andere Leckereien. Danach gings zurĂŒck ins B&B, wo wir uns umzogen und fĂŒr den ersten Biketag fertig machten. Trödeln war nicht angesagt denn wir wussten, dass ein langer Tag mit ĂŒber 60 Kilometern und 1'700 Höhenmetern auf dem Programm stand. Die Kirchglocken schlugen gleich neun Uhr, als wir losfuhren.

Zuerst galt es aus der Stadt zu fahren und schon vor dem Stadtrand zweigte die geplante Strecke von der Strasse ab und erste Wiesen- und Singletrails folgten. Das war gleich richtig anstrengend. Ein welliges GelĂ€nde mit immer wieder steilen Anstiegen. Zwar nie sehr lange, dafĂŒr mit losem Untergrund der das Klettern ziemlich anspruchsvoll machte. Das Wetter war von Beginn weg sonnig und deshalb gab es auch schon bald den ersten Halt um Jacken oder lange Hosen auszuziehen. Soweit ein perfekter Start.

Unsere Planung war so, dass wir bei Kilometer 17 in den malerischen Ort "Motta die San Anastasia" kommen und dort eine erste Kaffepause einlegen. FĂŒr diesen ersten Teilabschnitt brauchten wir aber unerwartet lange. Wegen der anspruchsvollen WegfĂŒhrung lag unsere Durchschnittsgeschwindigkeit unter 10km/h. DafĂŒr entschĂ€digte die grandiose Landschaft und die immer wieder sehr schönen Blickwinkel zum Ätna-Vulkan.

Als wir dann endlich in San Anastasia ankamen und ein nette Bar gefunden haben, machten wir deren Besitzerin gleich ziemlich glĂŒcklich. Wir kauften jede Menge SĂŒssigkeiten, kalte und warme GetrĂ€nke um unsere Speicher wieder aufzufĂŒllen. Wir begannen dann darĂŒber zu reden, wie der weitere Tagesverlauf aussehen wird, denn uns allen war klar: Wenn es so weitergeht, werden wir die 60 Kilometer nicht ĂŒberstehen. Doch ich konnte meine Mitstreiter beruhigen. Die nĂ€chsten 20 Kilometer finden vorwiegend auf Asphaltstrassen statt und der Anstieg des Tages, hoch nach Centuripe (750m.ĂŒ.M.) wird ebenfalls meist asphaltiert sein.

In Paterna, unserem nĂ€chsten Verpflegungsort besuchten wir das Castello auf dem höchsten Punkt, bevor wir im Ortszentrum eine Bar/Pasticceria aufsuchten. Tachostand: 34 Kilometer. Wir fĂŒhlten uns aber schon deutlich matter, als fĂŒr StreckenhĂ€lfte eigentlich geplant war und uns wurde bewusst, dass es hart werden wird.

Die Auffahrt nach Centuripe fĂŒhrte durch eine unwirklich, skurile und doch spezielle Landschaft. Fast vegetationslose HĂŒgel flankierten unseren Weg und das war höchst interessant um das anzusehen. Dann wurde die Strasse immer steiler... Wenn ich auf einer Asphaltstrasse berghoch auf den allerkleinsten Gang schalten muss, dann kann dies zwei Ursachen haben. Erstens, die Strasse ist extrem steil oder Zweitens, ich bin mit den KrĂ€ften ziemlich am Ende. Etwas unschön war heute, dass Erstens und auch Zweitens zutraf... 😛 ich musste richtig beissen... als ich auf einem etwas flachern Abschnitt das GPS durchklickte und feststellte, dass der Anstieg erst etwa zur HĂ€lfte geschafft ist, krochen ernsthafte Zweifel in mir hoch, ob ich das wirklich packen werde. Da hilft nur, solche Gedanken zu verdrĂ€ngen und einfach langsam aber stetig weiterzufahren... und so packten wir heute alle diesen Anstieg und genossen die Ausswicht in Centuripe dann ziemlich kaputt und geschafft. Mittlerweile war es schon nach 17 Uhr. Wir wussten, dass noch knappe sieben Kilometer, die glĂŒcklichwerweise fast vollstĂ€ndig bergrunter auf uns warteten. Also eine Kaffepause musste schon noch sein.

Der Downhill hatte es dann noch richtig in sich. Zuerst war es noch eine gepflasterte Strasse, dann noch ein Schotterweg und schon bald nur noch ein holpriger Trampelpfad, der zunehmend mit wildem Fenchel und dornigen BĂŒschen ĂŒberwuchert war. Die DĂ€mmerung begann einzusetzen und so musste man sehr vorsichtig fahren. Ziemlich mĂŒde und zu spĂ€ter Stunde wĂ€re ein böser Sturz natĂŒrlich sehr blöd.

Ich schaute auf dem GPS, wie weit es noch bis zum gebuchten Agriturismo ist. Nur noch zwei Kilometer. Sehr gut, denn es wird langsam dunkel. Plötzlich höre ich Remy hinter mir rufen: "Halt! Plattfuss!". Zum GlĂŒck kamen wir gleich an einem Bauernhof mit Aussenbeleuchtung vorbei, wo wir dann den Schlauch bei ausreichend Licht wechseln konnten. Bis wir aber wieder zur Weiterfahrt bereit waren, war es schon fast vollstĂ€ndig dunkel. Zum GlĂŒck nur noch zwei Kilometer!

Das gewĂ€hlte Agriturismo ist sehr schön und das Abendessen aussgezeichnet, reichhaltig und grosszĂŒgig. Genau das, was vier ĂŒbermĂŒdete und ausgehungerte Biker nötig haben. 👍. Bilder vom Agriturismo kann ich halt erst morgen nachreichen.

Hier der Link zu GPS-Aufzeichnung des Tages (63km., 5:33 Std. 1'840 Hm.). Die Fotos des heutigen Tages kann man sich unter diesem Link ansehen.

Samstag, 15. Februar 2020

(1) nach Catania

Start am Flughafen von Catania
Start am Flughafen von Catania

Unser Flug nach Rom startete pĂŒnktlich um 11:15 Uhr. Die Umsteigezeit fĂŒr den Weiterflug nach Catania war eher kurz und so landeten wir dann planmĂ€ssig um 14:45 Uhr auf Sizilien. Unser GepĂ€ck hatten wir relativ schnell, bis die FahrrĂ€der angekarrt wurden, dauerte es dann noch etwas.

Nun galt es also die Velos zusammenzubauen, die GepÀcktaschen anzubringen und dann die Kartonschachteln möglichst klein zu falten. Wir hatten dann eine lustige Italienisch/Deutsch/Englisch-Konversation mit einem Taxifahrer bis er begriff, dass er tatsÀchlich nur die Kartonschachteln zu unserem gebuchten Bed & Breakfast fahren muss. Dann machten wir noch das obenstehende Startfoto und los ging's. Wobei... der Start war ziemlich harzig. Mein GPS-Track wollte permanent verkehrt durch Einbahnstrassen oder Strassen, die gesperrt waren. Wir machten ein paar Kreise und irrten etwas in der Gegend herum, bis wir dann auf unseren Track fanden.

Bis ins Stadtzentrum waren es kaum zehn Kilometer und eigentlich wollten wir noch etwas Bike-Sightseeing machen. Wir entschieden uns dann aber zuerst mal beim B&B vorbeizufahren und zu schauen, ob die Kartons angekommen sind. Das waren sie dann auch, sie lehten nĂ€mlich neben der EingangstĂŒre an der Hauswand. Also haben wir uns umentschieden. Zuerst einchecken und dafĂŒr sorgen, dass die Velokartons gut eingelagert wreden und danach zu Fuss Sightseeing.

Das hat dann alles bestens geklappt und so stand einem ersten Aperol-Spritz auf der Piazza del Duomo in Catania nichts mehr im Weg. Als nĂ€chstes klapperten wir ein paar Mobile-Anbieter ab, weil Peter eine PrePaid-Karte brauchte. Das dauerte natĂŒrlich auch noch etwas und so hatten wir schon bald Hunger und hielten nach einem geeigneten Lokal Ausschau. Der Mobile-VerkĂ€ufer hat Peter noch einen Restaurant-Tipp mit auf den Weg gegeben und am Schluss landeten wir dann genau in diesem Restaurant. Das war ziemlich modern und hipp. Wir haben gut gegessen, doch es war nun auch nicht gerade gĂŒnstig. Egal. Wir waren alle zufrieden und schon bald zog es uns zurĂŒck in unser kleines B&B Antica Profumeria.

Das Wetter ist ĂŒbrigens -wie versprochen- sehr gut. Nachmittags um vier Uhr etwa 18° Grad. So kann es bleiben... Ich habe die Fotos des Tages ins Fotoalbum hochgeladen. Hier der Link dazu.

Freitag, 14. Februar 2020

ready, steady...

fertig gepackt
fertig gepackt

So langsam steigt die Spannung! ⚡ Heute putzte ich also noch das Bike, packte meine sieben Sachen zusammen und montierte die Taschen ans Bike. Danach eine kurze Testrunde vor dem Haus... alles Bestens! 👍

Dann habe ich noch die neusten GPS-Daten auf das Microsoft Surface Tablet kopiert und das Fotoalbum soweit vorbereitet, dass ich abends nur noch die Bilder einkippen und hochladen kann.

Um 19:00 Uhr holt mich JĂŒrg mit dem Transporter ab und dann machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Wir treffen da Peter und gemeinsam verpacken wir alle Bikes und geben diese dann am Check-in-Schalter auf. Übrigens: Der Wetterbericht fĂŒr die nĂ€chsten 14 Tage ist fĂŒr Sizilien hervorragend! Sonne ☀, vielleicht mal ein paar Wolken ⛅ und nur an einem Tag eine Regenwahrscheinlichkeit von 10% 🌧, dazu Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad! :applaus: Das wird super!

â–Č