Die Furka & Nufenen Tour von letzter Woche hat mich angefixt und deshalb wollte ich das schöne und heisse Frühsommerwetter noch einmal für eine Alpentour nutzen. Und wie kann man zwei Pässe und mehr als 2'000 Höhenmeter toppen? Genau! Mit drei Pässen und über 3'000 Höhenmeter. 😎 😁
Es gibt verschiedene, unter Rennradfahrern sehr beliebte, Strecken über mehrere Pässe, die man für ein solches Vorhaben ins Auge fassen kann. Dazu gehört sicherlich die Rundtour über die Pässe Susten, Grimsel und Furka. Egal, ob man im Berner Oberland (z.B. Meiringen) oder im Kanton Uri (z.B. Andermatt) beginnt, und auch egal, in welche Richtung man fährt, es ist so oder so eine klasse Aussichtsrunde mit drei Alpenübergängen auf über 2'000 Metern über Meer. Ich entschied mich für Start und Ziel in Göschenen, denn so kann ich die gleiche Bahnverbindung nutzen wie vor einer Woche. Es hiess also wieder früh aufstehen, damit ich kurz vor acht Uhr morgens auf die Tour starten kann.
Ich war mir nicht sicher, ob ich eine Tour mit gegen 3'500 Höhenmetern schaffe, denn so etwas habe ich zuvor noch nie gemacht. Ich brauchte deshalb einen Plan B. Oder noch besser: Einen Plan B und einen Plan C. Gesetzt war der Sustenpass. Das sind ab dem Einstieg in Wassen, bis nach Innertkirchen etwa 45 Kilometer und um die 1'300 Höhenmeter. Wenn ich mir dort keine weiteren 2'000 Höhenmeter mehr zutraue, kann ich, Plan B, bis nach Meiringen abfahren, über den Brünigpass in den Kanton Obwalden und von dort weiter bis zum Bahnhof in Luzern fahren. Gesamthaft gibt das dann auch 110 Kilometer, doch es kommen nur noch etwas über 700 Höhenmeter, über den Brünigpass, dazu. Plan C, wenn ich mich ganz schwach fühle: Ich fahre von Innertkirchen bis nach Interlaken, von wo ein direkter Zug nach Zürich fährt. Das ergäbe dann total ca. 85 Kilometer und nur noch knappe 300 Höhenmeter zusätzlich. Diese Varianten sind in Bikerouter rasch zusammengeklickt und auf das GPS übertragen. So bin ich für alle Fälle gerüstet. 😉
Wie geplant startete ich also kurz vor acht Uhr am Bahnhof in Göschenen. Nebst zwei Sandwiches hatte ich auch noch zwei Energiegels mit dabei, die mir die nötige Kraft spenden sollten. Ich plante nur kurze Pausen und wollte mich den ganzen Tag fliegend verpflegen. Ab Wassen geht es dann gleich kräftig berghoch und mit der Morgensonne im Rücken geniesse ich den Aufstieg durch das Meiental. Man sieht schon von weitem, wie die Passstrasse entlang der Bergflanke immer weiter nach oben, bis zum Pass führt. Ich will mich davon nicht beeindrucken lassen und fahre einfach mein Wohlfühltempo von dem ich glaube, dass ich es noch stundenlang fahren kann. Das ist auch nötig, denn bis zur Passhöhe brauche ich zweieinhalb Stunden.
Bergrunter möchte ich weg von der Strasse und versuche mich an einem Wanderweg, was jedoch keine gute Idee ist. Rasch wird es steinig und sehr steil, so dass ich viel gehen und das Bike tragen muss. Nicht gut. Weder schnell, noch erholsam. Nach über einer halben Stunde hike-a-bike stosse ich auf eine offizielle Mountainbikeroute und von da an wird die Sache nun wirklich fahrbar und spassig. Dieser Abenteuer-Ausflug war jedoch ziemlich unnötig und hat mich wertvolle Zeit gekostet. So ist es schon nach 12 Uhr mittags, als ich Innertkirchen erreiche und dort bei einem Volg-Lebensmittelgeschäft eine Verpflegungspause einlege. Nun gilt es also zu entscheiden, wie ich die Tour beenden will.
Ich fühle mich zwar nicht mehr wirklich frisch, doch ich bin noch gut motiviert. Über den Grimselpass bin ich noch nie gefahren und somit entscheide ich mich für "das volle Programm". Ich bin mir bewusst, dass sich der Aufstieg bis zur Grimsel Passhöhe hinziehen wird. 1'500 Höhenmeter auf knapp 25 Kilometer bedeutet für mich, dass ich dafür locker zweieinhalb Stunden brauche. Das bedeutet: piano, piano und die Kräfte gut einteilen. Nach etwa zweidrittel der Steigung trete ich plötzlich ins Leere. Die linke Kurbel hat sich vom Innenlager gelöst und hängt mit dem Klickpedal ganz unmotiviert an meinem linken Schuh. 🤨 So eine Panne hatte ich bisher auch noch nie. Kann ich das reparieren? Zum Glück habe ich keine Teile oder Schrauben verloren. Alles ist noch da. Ich kann also die Kurbel wieder auf die Welle stecken und alles fest anziehen. Kaum zehn Minuten später kann ich wieder aufsitzen und weiterfahren.
Oben, auf dem Grimselpass, ist dann ziemlich viel Halli-Galli und so kaufe ich nur rasch ein kühles und erfrischendes Apfelschorle und stürze mich schon bald in die Abfahrt in Richtung Gletsch. Diese Serpentinenstrasse macht richtig Spass und vernichtet auf weniger als 6 Kilometern gute 400 Höhenmeter, bevor es dann gleich wieder hoch, auf den Furkapass geht. Es ist nun schon nach halb vier Uhr am Nachmittag und ich bin bereits über sechs Stunden unterwegs. Ich fühle mich ziemlich gebraucht und bin deshalb froh, dass die kommenden 700 Höhenmeter die letzten des Tages sein werden 😵. Dafür habe ich meinen letzten Energiegel aufgespart, der mir jetzt hoffentlich noch etwas hilft.
Ich bin müde, erste Beinkrämpfe kommen und ich werde immer langsamer. Die pralle Sonne knallt gegen diesen Westhang und das hilft mir auch nicht wirklich. Es wird ein Leiden und an den steilsten Stellen muss ich in den allerkleinsten Gang schalten. Es wird hart und ich brauche fast eineinhalb Stunden bis zur Passhöhe 🙃. Somit ist es geschafft, doch ich bin zu müde, um mich wirklich zu freuen. Es bleibt auch nicht wirklich Zeit, denn wenn ich den nächsten Zug erreichen will, so muss ich die letzten 25 Kilometer in unter einer Stunde schaffen. Klar geht es vorwiegend bergab, trotzdem muss ich mich ranhalten. Um 17:58 Uhr stoppe ich am Bahnhof Göschenen die Aufzeichnung und um 18:09 fährt der nächste Zug in Richtung Zürich. Online ein Ticket lösen. Passt! Nun ist es wirklich geschafft! Im Zug klicke ich die Aufzeichnung des GPS-Geräts durch. Unglaublich: 114 Kilometer, 8:12 Std. Fahrzeit, 3'500 Höhenmeter. 👍
Hier der Link zur GPS-Aufzeichnung. Für den ganzen Tag sagt das GPS: 130 km, 9:03 Std., 3'700 Hm.
Nachfolgend noch ein paar Fotos.