Die Frau des Campingplatzbetreibers hatte völlig recht mit der Aussage, dass es nach dem gestrigen Regen heute einen schönen Tag geben soll. Schon frühmorgens zeigte sich die Sonne an einem fast wolkenlosen Himmel. Kurz nach acht Uhr morgens war es auf über 1'300 Metern über Meer noch ziemlich frisch und deshalb starteten wir mit Jacken und ich trug auch Knielinge. Die leichte Steigung auf Asphalt, bis nach Mazzan-Abbaye war angenehm und ideal, um etwas warm zufahren. Auf die alte Klostergebäude wurden mit goldener Farbe grosse Kreise aufgemalt, die man von der richtigen Position klar erkennen konnte. Interessant gemacht.
Am Ortsausgang trennten sich unsere Wege. Jürg und ich zweigten in den Wald auf die Mountainbike-Variante ab, während Remy die Strassenvariante in Angriff nahm. Unsere MTB-Variante hatte es dann ziemlich in sich. Schon nach wenigen hundert Metern wurde der Weg so steil, dass schon schieben äusserst schwierig und anstrengend wurde. So kamen wir das erste Mal gut ins Schwitzen.
Die nachfolgende Strecke war dann sowohl die Natur als auch die Trails anbelangt einfach der Hammer! Alles kleinste Wald- oder Schotterstrassen und sehr vieles auf Wanderwegen und Singletrails. Praktisch immer in völliger Ruhe und Einsamkeit. Ich geniesse diese Weite und die Farben dieser Jahreszeit ganz enorm. Es ist ein Privileg, so etwas erleben zu dürfen.
Den nächsten Treffpunkt, in Loubaresse, sehen wir schon von weitem unten im Tal liegen. Es folgt eine schnelle Schotterabfahrt mit vielen Wasser-Ablaufrinnen, die zum Springen animieren. Doch mit zehn Kilo Gepäck am Bike ist das gar nicht so einfach. Mit einem Lächeln im Gesicht rollen wir in das kleine Dorf und finden Remy auch schon im Garten des einzigen Restaurants sitzen. Dieser Ort ist unglaublich malerisch, ja schon fast kitschig schön (man sehe sich die Fotos im Album an).
Im Restaurant erfrischen wir uns mit ein paar Oranginas und danach finden wir einen schönen Platz an der Sonne, wo wir unsere mitgebrachte Baguette, den Käse und die, bei der Loire-Quelle gekaufte, Pfeffer-Salami genüsslich verspeisen. Was für ein Leben!
Für Jürg und mich geht es wieder etwas berghoch bis wir auf eine Heide-Hochebene kommen, auf der der weitverbreitete Stachelginster zu blühen beginnt. Das satte gelb setzt sich immer mehr durch und vermutlich in ein bis zwei Wochen wird es die dominierende Farbe in dieser Gegend sein. Ich bemühe mich um nicht durch die Gegend zu hetzen, sondern diese Szenerie ganz bewusst wahrzunehmen und zu erleben.
Unser nächster Treffpunkt ist Pied de Borne, wieder ein Ort in einer Talsenke, diesmal mit Stausee und Wasserkraftwerk. Das Wetter ist mittlerweile prächtig, schön, sonnig und angenehm warm. Nun vernichten wir über 800 Höhenmeter. Zuerst auf anspruchsvollen Singletrails, dann auf groben Schotterstrassen und nahe der Ortschaft treffen wir auf eine kleine Asphaltnebenstrasse, wo wir unseren Adrenalinspiegel wieder etwas normalisieren können. Es schüttelt derart stark bergab, dass mir die Halterung des GPS-Geräts unterwegs abbricht (eine Federgabel wäre schon nett und würde die Stösse mildern). Zum Glück bemerke ich das sofort, halte an, gehe ein paar Meter zurück und finde das GPS-Gerät wieder. Zwar etwas zerkratzt, ansonsten aber heil. Am kleinen Dorfplatz treffen wir auf Remy und gemeinsam geniessen wir noch einmal ein paar Getränke.
Die letzten 10 Kilometer bis nach Villefort geht es gemütlich entlang des Flusses L'Altier. Die Strasse steigt dabei immer leicht an und so sind wir dann doch müde und erleichtert, dass wir Villefort bald erreichen und dort auf ein schönes und gut eingerichtetes Appartement treffen. Wir werfen alle gebrauchten Bikekleider in die Waschmaschine und danach in den Trockner, bevor wir einen Abendspaziergang durch den Ort machen und (wieder) im einzigen geöffneten Restaurant zu Abend essen. Das war ein absoluter Traumtag. Der Trailanteil war so hoch, dass wir lediglich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,8 km/h erreichten. Das GPS sagt: 73 km, 5:23 Std., 1'510 Hm.
Hier der Link zur heutigen GPS-Aufzeichnung.
Die Bilder des Tages beginnen in der Fotogalerie ab Bild 93.